Fachartikel

UX & Scrum - Lovers or Haters?

I nsbesondere im Bereich der Softwareentwicklung setzt sich zunehmend die Organisation von Projekten nach der bewährten Scrum-Methodik durch. Da es sich bei der Softwareentwicklung um unser Steckenpferd handelt, haben wir bei basecom bereits Projektmanager von der Scrum Alliance ausbilden lassen. Es bleibt jedoch die Fragestellung nach der Auswirkung auf die Integration von fachlichen Disziplinen wie dem User Experience Design offen. Können diese beiden Disziplinen im Arbeitsalltag voneinander profitieren oder wird ein produktives Arbeiten gar verhindert? Dieser Artikel geht eben dieser Fragestellung auf den Grund und versucht die beiden Disziplinen genauer zu betrachten. 

User Experience schafft es, sofern diese positive Nutzungserlebnisse erzeugt, Nutzer von einem Produkt so zu überzeugen, dass dieses gerne genutzt wird und stellt somit einen essentiellen Erfolgsfaktor dar. Dennoch stehen derzeit im Scrum-Kontext solche Fachbereiche bzw. Disziplinen, die nur gemeinsam ein überzeugendes Produkt erzeugen können, hinten an und haben somit bisher leider kaum Berührungspunkte. Momentan ist es fast immer so, dass User Experience Design (Von User Research über Personas bis hin zu Wireframes) dem Entwicklungsprozess vorgeschaltet wird, sodass lediglich das fertige Konzept an die Entwicklung übergeben wird und diese beiden Kompetenzen keinerlei Berührungspunkte haben.

Oftmals ist es auch so, dass User Experience Design komplett extern ausgelagert wird und somit Konzeption und Entwicklung in zwei verschiedenen Unternehmen entstehen. Das liegt daran, dass bei den meisten IT-Unternehmen oder auch Konzernen, das Thema UX noch nicht stark genug angekommen ist bzw. nicht genug im Vordergrund steht. Das Problem dabei ist, dass wenn Design und Entwicklung als vollkommen separate Bereiche angesehen werden, Wichtiges vergessen wird. Denn nur durch eine Zusammenarbeit dieser Bereiche können erfolgreiche Produkte entstehen, die von Anfang bis Ende überzeugen.

Wie kann UX Design und User Research in den agilen Entwicklungsprozess integriert werden?

Agil ist nicht gleichzusetzen mit einem bestimmten Prozess oder einer Methode. Es bedeutet vielmehr eine bestimmte Denkweise bei dem Kreieren von Software Produkten auszuüben. Anforderungen zu definieren ist hierbei ein wesentlicher Bestandteil und wird im agilen Projektmanagement häufig in Form von User Stories realisiert. Diese werden verfasst um auf eine effiziente Weise die Anforderungen an ein Produkt zu identifizieren und folglich den dahinterstehenden Aufwand einzuschätzen.

Im Scrum Framework repräsentiert der Product Owner die Stimme der Nutzer und ist verantwortlich für die Gewährleistung, das Produkt so zu gestalten, dass es einen wirtschaftlichen Nutzen und Erfolg erzielt. Er erstellt darüber hinaus die verschiedenen Produkteigenschaften bspw. in Form von User Stories, jedoch stets unter der Berücksichtigung der Zielgruppe und der Anforderungen (Wünsche und Bedürfnisse) des Kunden. Er versucht diese zu vereinbaren und eine Lösung zu schaffen, die den Product Backlog bildet.

In den meisten Teams sind Product Owner bisher noch keine User Experience Professionals. Doch es macht nur Sinn, dass die Vertretung und Einbringung der Interessen der Nutzer und Stakeholder durch einen UXler ausgeführt werden oder dieser zumindest involviert wird. Denn mit diesen Aufgaben sind UXler bestens vertraut und können dank ihrer Expertise, besser als Projektmanager oder Entwickler, zu einem erfolgreichen Produkt verhelfen. Durch die Erstellung von User Stories liefern sie bspw. einen großen Mehrwert. Sie suchen gezielt das Gespräch zu den direkten Endnutzern und nicht nur zu den „internen Kunden“.

Soll der Product Owner jedoch als gesonderte Rolle existieren, sollte zumindest ein UX Architect durchgehend in die Arbeitsschritte eines Product Owners involviert werden. Denn der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration eines UX Professionals in ein agil arbeitendes Team besteht darin, sich nicht auf den Prozess an sich zu fokussieren, sondern auf die einzelnen Interaktionen und Individuen, die beteiligt sind. Jedoch sollten UX Designer und Researcher, die in ein agiles Team integriert werden, die folgenden vier Prinzipien verinnerlicht haben:

UX Erfolgsprinzipien für Agile UX

  1. Missionare und keine Diktatoren. Sie sollten eher Zeit damit verbringen User Experience an das gesamte Team zu vermitteln. Denn Kommunikation löst Probleme und ermöglicht gleichzeitig, dass sich die UX Experten ungehindert den harten UX Problemen widmen können.
  2. Im Team integriert. Die agile Vorgehensweise der schrittweisen Liefergegenstände erfordert stetigen Design Input.
  3. Sie passen Ihre Ergebnisse an. Wenn sie mit dem Rest des Teams arbeiten, können sie Fragen direkt beantworten, anstelle einen Style Guide erstellen zu müssen. Sie können von einem Usability Test direkte Probleme identifizieren und benennen, anstatt ein 90-Seiten Dokument verfassen zu müssen, welches die Ergebnisse aufbereitet darstellt. Weniger Zeit mit endlosen Dokumentationen zu verbringen, bedeutet gleichzeitig, dass mehr Zeit geschaffen wird, um sich der tatsächlichen Produktverbesserung zu widmen und dieses zu etwas Besonderem zu machen.
  4. Mitanpacken, sich selbst mehr einbringen. UXler sollten versuchen sich selbst mehr einzubringen, aber auch fordern, bei Themen angesprochen zu werden. Sie sollen sich durchaus mit verschiedenen Bereichen, die in erster Linie nichts mit ihrem eigenen zu tun haben, auseinandersetzen. Dadurch schaffen sie es, ihr UX-Wissen durchgehend mehr einzubringen und folglich das Produkt zu einem noch besseren zu machen.

Mike Hughes, User Experience Architict bei IBM Internet Security Sytems und Kolumnist bei UXmatters, benennt die folgenden Aufgaben eines UX Architects in einem agilen Team:

  • Der UX Architect arbeitet zusammen mit dem Produkt Management; er versteht und überprüft Anforderungsdokumente.
  • Der UX Architect entwickelt Szenarien und illustriert konzeptionelle Wireframes um die generelle User Experience, die den Anforderungen von Kunden und Usern gerecht wird, aufzuzeigen.
  • Der UX Architect generiert Customer Input durch Interviews oder Social Media Collaboration Channels und bringt diese in die Szenarien ein.
  • Der UX Architect arbeitet User Stories entsprechend der folgenden Syntax aus: As a [role], I want to [action based on a feature], so [user goal].
  • Während eines Sprints ist der UX Architect dafür verantwortlich das Team auf UX Design Probleme aufmerksam zu machen und überprüft in der Qualitätssicherung des Sprints die fertige Arbeit auf Usability und Qualität.
  • Während das Entwicklungsteam die ausgewählten Stories in einem Sprint abarbeitet, versucht der UX Architect den Sprint n+1 vorzubereiten.

Es gibt neben den genannten Einsatzmöglichkeiten, auch zahlreiche generelle User Research Maßnahmen, die nicht an einen Sprint oder an eine spezielle Projektphase gebunden sind z.B. kontextbezogene Erhebungen. Allerdings sind diese, in der Regel, in frühe Projektphasen eingebettet, in denen es darum geht, frühzeitig grundlegende Anforderungen zu definieren und nicht erst im agilen Entwicklungsprozess.

Auch sollten Entwickler aktiv in die User Research mit einbezogen werden, indem sie beispielsweise direkt mit den Usern sprechen. Denn das führt dazu, dass Entwickler Probleme besser verstehen und sich mehr an ein Produkt gebunden bzw. verantwortlich für die Kreation eines nützlichen und hilfreichen Produkts fühlen. Gleichzeitig wird auch Zeit eingespart. Denn UXler müssen nicht seitenlange Dokumente erstellen, die Entwickler wiederum erst lesen und vor allem verstehen müssen. Fragen können direkt gestellt werden. Das bedeutet, dass UXler direkt bei Entwicklern sitzen sollten und diese während des gesamten Design Prozesses zusammenarbeiten. Auf diese Weise kann jederzeit – mal eben – Feedback auch aus Entwicklersicht eingeholt werden. So sind UXler nicht auf sich allein gestellt und können Wartezeiten, die durch die Entwicklung für codierte Prototypen erzeugt werden, verzichten.

Diese erforderliche Überlappung in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern führt nicht nur dazu, dass Teammitglieder besser zusammenarbeiten und deren Beziehungen positiv beeinflusst wird. Denn sie erlangen außerdem auch ein besseres Verständnis der anderen Tätigkeiten, was wiederum zu einer besseren Kommunikation zwischen den Teammitgliedern führt und viel Zeit einspart.

Doch dieser Schritt ist für viele Unternehmen nicht einfach. Denn dieser erfordert meistens eine große Veränderung in der Art und Weise wie die Menschen bisher arbeiten und sie sich organisieren, Projekte geplant werden, Teams aufgestellt werden und die generelle Weise, wie Informationen dokumentiert werden. Daher ist es wichtig klein anzufangen. Ein Pilot Projektteam wäre an dieser Stelle empfehlenswert. Denn aufgezwungene Vorgehensweisen können auch einen falschen Effekt erzielen. Somit sollte sich langsam dem großen Ziel angenähert werden.

UX vs. Scrum - Eine Freundschaft, die verbindet 

Aus Sichtweise der User Experience ist der Erfolg eines agilen Projekts bzw. Entwicklungsprozesses ungemein von der Inkludierung eines agilen Produkt- und Entwicklungsteams abhängig, welches sich vollständig dazu bereit erklärt mit UX Experten zusammen zu arbeiten. Hierfür eignet sich ein Projektmanagement nach der Scrum-Methode hervorragend. Wir bei basecom konnten hiermit bisher sehr positive Erfahrungen sammeln und werden auch zukünftig weiterhin auf diese Kombination setzen. 

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