Shopware 6: E-Commerce-Systeme im Vergleich Teil 2

E-Commerce-Systeme im Vergleich: Shopware 6

Adobe Commerce, Shopware oder Spryker? Vielleicht aber auch commercetools oder Pimcore? Oder doch eine Individualentwicklung? In unserer kleinen Blog-Serie wollen wir Ihnen verschiedene E-Commerce- bzw. Web-Technologien aus dem basecom-Portfolio vorstellen, um Ihnen Gelegenheit zu geben, sich einen ersten Eindruck von den unterschiedlichen Shopsystemen, ihren jeweiligen Möglichkeiten und besonderen Eigenschaften zu machen.

Nachdem wir uns in Teil 1 mit Adobe Commerce beschäftigt haben, geht es im zweiten Teil um ein Shopsystem made in Germany:

Shopware 6 – Emotionale Erlebniswelten aus dem Münsterland

Shopware 6 wurde Ende 2019 veröffentlicht und ist angetreten, eine “Antwort auf die Herausforderungen einer komplexen, sich ständig wandelnden E-Commerce-Welt” zu liefern. Shopware spricht nach dem Release selbstbewusst von “einer neuen technologischen Shopware-Generation”, die die Vorgängerversion Shopware 5 ablöst. Und tatsächlich haben die Münsterländer mit dem Major Update ihres Shopsystems einen deutlichen Schritt in Richtung Zukunft gemacht und ihre Erfolgsgeschichte auch mit Shopware 6 fortgeschrieben. Nach der aktuellen Erhebungen des EHI Retail Institute und Statista, die von iBusiness zitiert werden, hat Shopware seinen Marktanteil unter den Top-1000-Onlineshops zwischen 2016 und 2021 auf 11,5 Prozent ausgebaut und damit fast verdoppelt. Shopware lag damit in diesem Segment nur noch knapp 0,7 Prozentpunkte hinter dem Marktführer Magento. Laut ecommerceDB kommt Shopware 2020 deutschlandweit auf einen Marktanteil von 28 % und liegt damit vor Magento auf Platz 1.
Shopware wird 2020 und 2021 im ‘Magic Quadrant for Digital Commerce’ des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner als ‘Niche Player’ geführt. Die Analysten betonen insbesondere das einfache und benutzerfreundliche Benutzungsoberfläche von Shopware 6 sowie den Ausbau der B2B-Funktionalitäten. Als Zielsegment von Shopware sieht Gartner kleine bis mittelgroße B2C-Einzelhändler und Markenhersteller sowie B2B-Großhändler mit einem jährlichen Umsatz von weniger als 100 Mio. US-Dollar.
Im Februar 2022 hat die shopware AG bekannt gegeben, durch eine neue Partnerschaft mit Carlyle und PayPal Wachstumskapital in Höhe von 100 Mio. US-Dollar eingeworben zu haben, das in die internationale Expansion von Shopware und die Entwicklung neuer Produkte fließen soll.

Was hat Shopware 6 zu bieten?

Unter dem Motto “Your freedom to grow” wurde Shopware 6 seit dem Release 2019 kontinuierlich zu einer Open Commerce Platform weiterentwickelt, die Unternehmen umfangreiche Möglichkeiten bietet, online zu wachsen. Shopware 6 bringt dafür eine ganze Reihe attraktiver Features und einen frischen Technologie-Stack mit: Die aktuelle Version von Shopware 6 nutzt die Frameworks Symfony (Version 5.4 LTS, Full Stack), Vue.js und Bootstrap sowie PHP 8.1 und die Template-Engine Twig. Technologisch ist Shopware 6 mit diesem Stack absolut auf der Höhe der Zeit. Das macht sich in der sehr guten Performance und Skalierbarkeit bemerkbar und untermauert gleichzeitig das Bekenntnis der Münsterländer zum Open-Source-Gedanken.
Shopware setzt weiterhin auf eine aktive Developer Community und ein breites Plugin-Angebot, um das System zu erweitern. Zusätzliche Flexibilität gewinnt Shopware 6 aber insbesondere durch seine Software-Architektur nach dem API-first-Prinzip, die eine einfachere Integration externer Systeme (bspw. ERP-, PIM- oder CRM-Systeme) und die Anbindung unterschiedlicher Frontend-Applikationen ermöglicht. Als Headless-System eröffnet Shopware 6 Shopbetreibern so neue Möglichkeiten im Hinblick auf Multishop-Konzepte, die Anbindung an Marktplätze und innovative Frontend-Lösungen wie die Shopware PWA. Gegenüber monolithischen Software-Architekturen bietet der API-first-Ansatz darüber hinaus die Möglichkeit, Entwicklungskosten zu senken und das Risiko zu reduzieren, indem das System modular entwickelt und erweitert werden kann.

Shopware 6
Auf einen Blick
E-Commerce-Systeme Vergleich Shopware
  • Tech Stack: PHP 8.1 , Symfony 5.4, Vue.js
  • Hosting: On Premises, Cloud-Hosting
  • Lizenzen: Enterprise Edition, Professional Edition, Community Edition
  • Erscheinungsjahr, aktuelle Version: 2019, Version 6.4
  • Besondere Eigenschaften: Emotional Shopping, API first, modular & flexibel, made in Germany

Benutzerfreundliches Content Management und viele Konfigurationsmöglichkeiten

Shopware 6 setzt auf Übersichtlichkeit, klare Navigation, einfache, intuitive Nutzbarkeit und ein schnelles Backend. Den Themen Content Management und Marketing wird auch unter Shopware 6 ein hoher Stellenwert eingeräumt. Besondere Bedeutung kommt dabei den Erlebniswelten zu, die als konsequente Weiterentwicklung der aus Shopware 5 bekannten Einkaufswelten die Möglichkeit bieten, verschiedene Shopseiten (Landingpages, Kategorieseiten, Produktdetailseiten, Listings) sehr unkompliziert und einfach per Drag & Drop zu erstellen. Unterschiedliche Content-Elemente, wie Produkte, Textelemente, Bilder oder Medien lassen sich direkt in der Administration arrangieren und können geräteunabhängig und kanalübergreifend ausgespielt werden. Zusätzlich verfügt Shopware 6 über ein Datensatzmanagement, um Content zentral zu verwalten und auf den verschiedenen Shopseiten darstellen zu können.
Shopware 6 wird in vier Varianten angeboten, die sich in ihrem Leistungsumfang unterscheiden: Neben der kostenlosen Community Edition, die insbesondere für kleine Unternehmen und E-Commerce-Einsteiger interessant ist, gibt es eine Professional Edition und eine Enterprise Edition. Aufgrund der günstigen Konditionen dürfte die Professional Edition aber auch für viele kleinere Unternehmen interessant sein: Hier stehen Shopbetreiber*innen eine Reihe attraktiver Zusatzfunktionen und weitgehende Konfigurations- und Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Dazu zählen individualisierbare Produkte ebenso wie die Integration zusätzlicher Verkaufskanäle, wie Facebook, Google Shopping oder Voice-Commerce-Kanäle. Der Rule Builder, mit dem zum Beispiel individuelle Preis- oder Versandregeln erstellt werden können, kann in diesen Editionen auch für CMS-Elemente eingesetzt werden. Ende 2021 wurde mit dem Flow Builder ein neues Key Feature veröffentlicht, mit dem sich individuelle Workflows definieren und automatisieren lassen. Der Flow Builder ist als No-Code-Interface konzipiert, sodass auch komplexe Unternehmensprozesse über die intuitive, nutzungsfreundliche Oberfläche eingerichtet und automatisiert werden können. Beispiele sind etwa kundenspezifische Lieferoptionen, individualisierte Bestell- und Zahlungsmethoden oder die Automatisierung der internen Business-Kommunikation. In der Professional Edition und der Enterprise Edition können außerdem mit Webhooks Daten an API-basierte Drittsysteme übermittelt werden.
Seit 2020 steht Shopware 6 auch in einer Cloud-Version zur Verfügung, die zunächst aber nur kleinere E-Commerce-Projekte abbilden konnte.
basecom arbeitet deshalb schon seit einiger Zeit mit dem Cloud-Dienst platform.sh zusammen, um auch Projekte mit Shopware 6 Enterprise oder Shopware 6 Professional sicher, schnell und skalierbar zu hosten. Das PaaS-System stellt Entwickler*innen die notwendigen Werkzeuge bereit, um Shopware-Projekte schnell auf wechselnde Anforderungen abzustimmen. Dank Review Apps und Staging-Systemen in der Cloud sind Ergebnisse früh sichtbar und Shopbetreiber*innen können bereits während der Entwicklung mit der Contentpflege des Onlineshops beginnen.
Auf dem Shopware Community Day 2022 wurde die Shopware Enterprise Cloud Edition vorgestellt, die ebenfalls auf platform.sh basiert. Unsere Erfahrungen mit der Plattform sind dabei in die Entwicklung des Angebotes von Shopware eingeflossen.

Fazit

Shopware 6 hat sich erfolgreich etabliert und sitzt 2022 fest im Sattel. In der aktuellen Version 6.4 ist Shopware 6 stabil und überzeugt durch einen hohen Reifegrad. Shopware 6 wird regelmäßig durch Updates aktualisiert und verbessert sowie durch neue Features erweitert.
Das flexible Shopsystem ist in einer kostenlosen Community Edition erhältlich. Viele Features sind aber erst in den kostenpflichtigen Versionen verfügbar. Auch die Professional Edition und die Enterprise Edition sind aber verhältnismäßig günstig. Die Lizenzgebühren für die Professional Edition beginnen bei einmalig 2.495 EUR oder 199 EUR monatlich. Verschiedene Support Subscriptions können zu moderaten monatlichen Kosten dazugebucht werden. Shopware 6 ist so für ganz unterschiedliche Zielgruppen eine interessante Lösung. Die Community Edition und die Professional Edition richten sich an kleine und mittlere Unternehmen, während Shopware mit der Enterprise Edition dezidiert auch sehr große oder komplexe Onlineshops ansprechen möchte. Shopware stellt in der Shopware 6 Enterprise Edition eine B2B Suite mit umfangreichen Funktionen zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem kundenindividuelle Preise und die Steuerung von Rechten, Rollen und Freigabeprozessen.
Shopware 6 ist nach dem API-first-Prinzip konstruiert und bietet so die Möglichkeit, das System über Programmierschnittstellen zu steuern bzw. über die SalesChannel API verschiedene Frontend-Applikationen, z. B. Alexa Skills oder IoT-Anwendungen, anzubinden. Shopware 6 kann also auch vollständig als Headless-System betrieben werden. Bei Shopware ist dieser Ansatz – im Gegensatz zu Spryker, Pimcore oder commercetools – aber eher als Angebot und Investition in die Zukunftsfähigkeit des Systems zu verstehen. Der Schwerpunkt der Münsterländer liegt nach wie vor darauf, Unternehmen ein leistungsfähiges und gut zu bedienendes Shopsystem anzubieten. Für Shopbetreiber*innen und Marketingteams hält Shopware 6 zahlreiche Features bereit, die weitreichende Möglichkeiten zur Gestaltung und Anpassung des Shops aus dem Backend heraus ermöglichen. Die Devise lautet hier: Konfigurieren vor Programmieren.

Mit dem B2C-Onlineshop camelactive.com konnten wir gemeinsam mit unserem Kunden, der Bültel International Fashion Group, bereits in der Early-Access-Phase ein spannendes Shopware-6-Projekt realisieren. Mit elo.store und KADECO haben wir 2021 zwei interessante B2B-Projekte auf Basis der Shopware 6 Enterprise Edition abgeschlossen.

Über den Autor

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Steffen Krüger leitet die Business Units Akeneo und Shopware. Er ist bereits seit 2008 ein Teil von basecom und der richtige Ansprechpartner für Ihr Onlineprojekt.

Steffen Krüger Leitung Business Unit Shopware