Shopify Plus: E-Commerce-Systeme im Vergleich Teil 6

Shopify Plus – E-Commerce-Systeme im Vergleich Update

Mit der Cloud-basierten E-Commerce-Plattform Shopify Plus bietet Shopify eine Version seines Shopsystems an, die sich dezidiert an große Unternehmen richtet. Seit 2023 ist Shopify Plus Teil unseres Portfolios im Bereich E-Commerce. Im sechsten Teil unseres E-Commerce-Systemvergleichs stellen wir Ihnen die E-Commerce-Plattform vor und fassen unsren Vergleich für Sie zusammen.

Shopify Plus – SaaS-Plattform für dynamische Skalierung

Shopify wurde 2006 gegründet und ist seit 2015 an der New Yorker Börse gelistet. Das kanadische Unternehmen mit Sitz in Ottawa ist seitdem sehr stark gewachsen. Mit ca. 2,5 Millionen aktiven Shops liegt Shopify, nach Angaben des Portals Store Leads, weltweit auf dem zweiten Platz (hinter der WordPress-Lösung WooCommerce). Die Basis-Version von Shopify ist auf kleine und mittlere E-Commerce-Projekte im B2C- und D2C-Bereich zugeschnitten und ermöglicht es Unternehmen schnell und einfach einen Onlineshop an den Markt zu bringen. Die Shopsoftware wird dabei als Cloud-Service zur Verfügung gestellt und erfordert für die Nutzung keine besonderen Vorkenntnisse.
Über diese Basis-Version hinaus bietet Shopify seit einiger Zeit mit Shopify Plus eine Enterprise-Variante seiner SaaS-Plattform an, die seit 2020 auch im DACH-Raum angeboten wird. Shopify Plus stellt zusätzliche Funktionen, erweiterte APIs und ein sehr leistungsstarkes und skalierbares Cloud-Hosting zur Verfügung. Die reibungslose Integration von Drittsystemen, wie PIM oder ERP, wird durch die Shopify-APIs und Shopify-SDKs (Software Development Kits) unterstützt.

Laut Store Leads wird Shopify Plus aktuell von mehr als 28.000 Shops eingesetzt. Im deutschsprachigen Raum identifiziert das Portal Store Leads 1467 Webshops, die auf Shopify Plus basieren (Stand Mai 2023).
Im Gartner Magic Quadrant for Digital Commerce wird Shopify (bzw. Shopify Plus) 2022 als Challenger geführt. 2023 stuft Gartner Shopify Plus als ‘Leader’ ein. Zu den Stärken der Plattform zählen die Analyst*innen das große und breitgefächerte Ökosystem mit mehr als 10.000 Apps im App Store und einem sehr großen internationalen Partnernetzwerk sowie das ergänzende Angebot durch zusätzliche Services wie Shopify Payments, Shopify POS, Shopify Shipping oder Shopify Email. Positiv hervorgehoben wird außerdem der Headless Commerce Stack Hydrogen, mit dem Shopify Plus einen umfangreichen Werkzeugkasten für die Entwicklung individueller Storefronts bietet. Kritisch sehen die Analyst*innen dagegen die Eignung von Shopify Plus für komplexe B2B-Projekte. Die Mitte 2022 veröffentlichten neuen B2B-Funktionen konnten in der Analyse allerdings nicht berücksichtigt werden. Shopify Plus stellt hier inzwischen eine Reihe von Features bereit, und hat angekündigt, diesen Bereich in naher Zukunft weiter auszubauen.

Was hat Shopify Plus zu bieten?

Bei Shopify Plus handelt es sich um ein Cloud-basiertes SaaS-Angebot, mit einem starken Fokus auf den Aspekten Nutzungsfreundlichkeit, Performance, Skalierbarkeit und Time-to-Market. Onlinehändler*innen profitieren bei diesem System von automatischen Updates, sodass ein Großteil des Pflegeaufwands entfällt, während der Funktionsumfang laufend erweitert wird. Zudem wird durch die Cloud-Infrastruktur eine sehr hohe Verfügbarkeit gewährleistet. Bei Lastspitzen können automatisiert zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden. Shopify verspricht ‘unbegrenzte Bandbreite und Webhosting ohne zusätzliche Kosten.’

Ebenso wie die Basis-Version von Shopify bietet auch Shopify Plus einen einfachen Einstieg und eine sehr nutzerfreundliche Administration. Shopify Plus verfügt im Standard über alle Grundfunktionalitäten, um einen Onlineshop schnell als MVP (Minimum Viable Product) zu realisieren. Weitere Features können per App aus dem App Store ergänzt werden. Shopify Plus kann darüber hinaus auch individuell angepasst werden. Über die umfangreichen APIs lassen sich funktionale Erweiterungen und Drittsysteme anbinden, sodass ein Shop-Projekt, vom MVP ausgehend, zu einem sehr großen System skaliert werden kann. Auch die nachträgliche Integration komplexer Features wie einer externen Suche (z. B. Algolia) oder eines Headless CMS (z. B. Contentful) sind verhältnismäßig einfach umzusetzen.

Shopify Plus unterstützt Multi- und Ominchannel-Strategien durch eine Vielzahl responsiver Themes und die Anbindung von Social-Media-Kanälen sowie von Online-Marktplätzen. Inhalte können so problemlos auf mobile Devices angezeigt oder in weitere Kanäle ausgespielt werden. Zusätzlich beinhaltet Shopify Plus das Feature Shopify POS, mit dem Online- und Offline-Handel in einem Digital-first-Ansatz miteinander verschmolzen werden können. So lassen sich beispielsweise Click-and-Collect-Lösungen umsetzen, Show-Room-Konzepte mit dem Onlineshop verbinden oder das Retouren-Management über die Plattform verwalten.

2022 hat Shopify das Headless Commerce Stack Hydrogen veröffentlicht. Hydrogen stellt umfangreiche Development-Tools für die Entwicklung individueller Storefronts zur Verfügung, die für Shopify Plus optimiert sind. Hydrogen bietet Vorlagen und vorgefertigte Komponenten, die auf die Shopify-APIs abgestimmt sind, sowie Hooks und Hilfsprogramme, um die Erstellung individueller Frontend-Lösungen zu erleichtern. Das Framework stellt dabei sicher, dass der Austausch mit Shopify-Kern-Features wie der Bestell- und Zahlungsabwicklung oder dem Daten- und Produktmanagement reibungslos funktioniert.
Zusätzlich stellt Shopify mit Oxygen eine Hosting-Lösung für Hydrogen-Custom-Storefronts bereit. In dieser Kombination bietet Shopify die Möglichkeit, hochperformante, maßgeschneiderte Shoplösungen umzusetzen.

Hydrogen basiert auf den Open-Source-Technologien Remix, GraphQL und Tailwind. Die Implementierung von Hydrogen-Frontends (oder eines anderen Headless-Frontends) erfordert Fachwissen im Bereich der Frontendentwicklung. Für Unternehmen, die nicht selbst über entsprechende Kapazitäten verfügen, bietet es sich an, mit spezialisierten Agenturen bzw. Softwaredienstleistern zusammenzuarbeiten, die über Expertise und Erfahrung in den Bereichen E-Commerce- und Frontendentwicklung verfügen.

Shopify Plus
Auf einen Blick
Shopify Plus Vergleich
  • Tech Stack: Backend: Ruby on Rails auf Kubernetes; Frontend: Hydrogen auf Remix
  • Hosting: Cloud native
  • Lizenzen: Shopify Plus, Shopify Commerce Components
  • Erscheinungsjahr, aktuelle Version: 2014, Version 2023-04
  • Besondere Eigenschaften: Cloud-native SaaS-Lösung, schnelle Time-to-Market mit MVP, dynamisch skalierbar

Umfangreiche Features & attraktives Lizenzmodell

Shopify Plus ist mit einem Einstiegspreis von 2.000 $ pro Monat inkl. Cloud-Hosting und umfangreichem Hersteller-Support (Merchant-Success-Program) ein verhältnismäßig günstiges Angebot. Die SaaS-Commerce-Platform stellt out of the box zahlreiche Funktionalitäten zur Verfügung. Dazu zählen unter anderem ein sehr performanter und individualisierbarer Check-out, Shopify POS, automatisierte Workflows im Adminbereich oder die Möglichkeit zur Integration von AR-, Video- und 3D-Medien auf den Produktseiten.
Shopify Plus stellt mit B2B on Shopify darüber hinaus auch eine Reihe von B2B-Features zur Verfügung, sodass beispielsweise Unternehmensprofile mit verschiedenen Berechtigungen angelegt oder Self-Service-Angebote eingerichtet werden können. Mit Shopify Markets bietet die Plattform außerdem ein Toolset, um Unternehmen bei der globalen Expansion ihres Onlineangebots zu unterstützen.
Bei komplexen Projekten mit höheren Umsatzvolumina, die weitergehende Anforderungen an die Plattform stellen, greift eine variable Gebührenoption. Zusätzliche Kosten entstehen gegebenenfalls durch die Nutzung von Drittanbieter-Apps, die Entwicklung einer individuellen Storefront oder die Integration von Drittsystemen durch eine Shopify-Partner-Agentur.

Shopify Commerce Components

Anfang 2023 hat Shopify ein weiteres Angebot für Unternehmen im Enterprise-Segment auf den Markt gebracht. Shopify Commerce Components bietet Unternehmen die Möglichkeit, einzelne modulare Komponenten der Software zu nutzen und diese in ihr bestehendes Commerce-Ökosystem einzubinden oder in einem neuen Projekt mit anderen Webanwendungen nach dem Best-of-Breed-Prinzip zu verknüpfen. Unternehmen können dadurch von mehr als 30 dieser Commerce Components profitieren, die als Teil der Shopify-Plattform bereits sehr erfolgreich eingesetzt werden. Komponenten wie der Shopify Check-out können so unabhängig von der Commerce-Plattform mit Drittsystemen integriert werden. Statt eine Lizenz für das ganze Shopsystem zu kaufen, können also einzelne Module nach Bedarf individuell ausgewählt werden.
Shopify öffnet damit seine Plattform für API-zentrierte Composable-Commerce-Projekte und rückt dadurch in die Nähe von MACH-Technologien wie commercetools.

Fazit

Shopify Plus ist eine sehr leistungsstarke SaaS-Lösung, die sich besonders für E-Commerce-Projekte eignet, die eine kurze Time-to-Market und die Fähigkeit zu steiler Skalierung verlangen. Vor allem Unternehmen im B2C-Bereich und D2C-Marken, die verhältnismäßig einfache Produkte (z.B. Mode) in hoher Stückzahl verkaufen oder beispielsweise bei Aktionen hohe Lastspitzen bewältigen müssen, sollten Shopify Plus ins Auge fassen. Für viele Unternehmen in diesen Bereichen machen auch die Omnichannel-Funktionalitäten wie Shopify POS oder die Marktplatz- und Social-Media-Anbindungen Shopify Plus interessant.
Auch für Unternehmen, die im B2B-Umfeld tätig sind, bietet Shopify Plus einige spezifische Funktionalitäten. B2B-Projekte, die mit sehr individuellen und komplexen Anforderungen verbunden sind, werden hier aber an Grenzen stoßen. Zwar können Drittsysteme wie ERP- oder PIM-Systeme mit der Shopify-Platform verbunden werden und weitere Funktionalitäten können durch Apps abgebildet werden, tiefergehende Eingriffe in den Core des Systems sind hier aber nicht möglich. In diesem Punkt unterscheidet sich die SaaS-Plattform Spotify Plus von alternativen Lösungen wie Magento, Pimcore, Shopware oder Spryker, die Open-Source-basiert sind und prinzipiell tiefe Eingriffe in die Business-Logik ermöglichen.
Shopify Plus steht ausschließlich als Cloud-basierte SaaS-Lösung zur Verfügung. Unternehmen, für die das Hosting auf eigenen Servern eine kritische Anforderung ist, müssen auf ein anderes System ausweichen.

Aus unserer Sicht ist Shopify Plus eine starke Commerce-Lösung, die in vielen Anwendungsfällen eine gute Alternative darstellt. Die SaaS-Plattform ist deshalb eine wertvolle Ergänzung unseres Portfolios und ein weiterer Baustein, um unseren Kund*innen eine E-Commerce-Lösung anbieten zu können, die optimal zu ihren individuellen Anforderungen passt.

Der E-Commerce-Systemvergleich im Überblick

E-Commerce-Vergleich Übersicht, Tabelle

Zusammenfassung

Unser Vergleich der verschiedenen E-Commerce-Systeme zielt nicht darauf ab, eine Aussage zu treffen, welches das ‘beste’ System ist. Tatsächlich wäre eine pauschale Empfehlung für das eine oder das andere System nicht sinnvoll und aus unserer Sicht auch nicht seriös. Mit unserem Vergleich wollen wir Ihnen stattdessen die Möglichkeit geben, sich einen Überblick über die unterschiedlichen E-Commerce-Lösungen zu verschaffen und Ihnen bei der Suche nach einem geeigneten System für Ihr Projekt erste Anhaltspunkte bieten. Sowohl Adobe Commerce als auch commercetools, Shopify Plus, Shopware, Spryker, und Pimcore sind aus gutem Grund Bestandteil unseres Portfolios als Softwaredienstleister: Jedes der sechs Systeme hat seine Stärken und sicher auch seine Schwächen. Insbesondere sind wir aber davon überzeugt, dass wir Ihnen mit diesen E-Commerce-Systemen sehr gute Lösungen für ein breites Spektrum unterschiedlicher Anforderungen und individueller Herausforderungen bieten können.
Welches System letztlich die beste Lösung für ein konkretes E-Commerce-Projekt bietet, hängt ganz von den individuellen Anforderungen ab, die das jeweilige Projekt an eine Software stellt. Herauszufinden, welches diese Anforderungen im Einzelnen sind und wie sie technisch umgesetzt werden können, ist einer der wichtigsten Schritte bei der Planung eines E-Commerce-Projekts. Das gilt umso mehr für größere und komplexe Projekte, bei denen beispielsweise große Warensortimente, konfigurierbare Artikel oder die Integration von Drittsystemen (ERP, PIM, CRM) eine Rolle spielen. Dabei stehen wir Ihnen als verlässlicher und erfahrener Partner gerne zur Seite. Wir orientieren uns an Ihren Bedürfnissen und beraten Sie technologieoffen und eingehend, um Ihr Projekt von vornherein auf das richtige Gleis zu setzen. Wir begleiten Sie gerne von der Beratung und Planung über die Umsetzung bis zur Betreuung Ihres erfolgreichen E-Commerce-Projekts.

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Übersichtlich und auf einen Blick: Den kompletten Systemvergleich mit Adobe Commerce/Magento, Shopware, Spryker, commercetools, Shopify Plus und dem Pimcore Digital Commerce Framework können Sie hier kostenlos als PDF downloaden:

Über den Autor

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Christof Zahn ist seit 2022 Teil unseres Teams und seit 2023 Director der Business Unit Consulting. Christof verfügt über langjährige Erfahrung mit Softwareprojekten und leitet seit Anfang 2022 gemeinsam mit Christoph Wiest unseren Standort in Hanau.

Christof Zahn, Director Business Unit Consulting